Vergebung befreit - Abschied vom Opferdasein

von Vera Staats

 

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„Wir sind nicht menschliche Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen.“ (Yogi Bahjan)

Wieviel Energie ist doch in unserem Leben an „alte Geschichten“ gebunden! Wie oft sehnen wir uns danach, anhaltenden Groll, Ärger oder Vorwürfe anderen oder uns selbst gegenüber und Gefühle der Verletztheit wirksam loslassen zu können!
Trotz tiefstem Wunsch und bester Absicht gelingt das oft nicht. Es ist als ob wir zwischen zwei Stühlen säßen: Auf der einen Seite versuchen wir loszulassen, wollen vergeben, auf der anderen Seite geben wir Anderen die Schuld an dem was uns geschieht:
Ein Partner trennt sich von uns, wir verstehen die Welt nicht mehr und suchen nach dem Schuldigen. Ein Streit oder die ungerechte Bemerkung eines Kollegen können heftige Gefühle in uns auslösen, die uns längere Zeit beeinträchtigen. Zunächst machen wir meist unser Gegenüber verantwortlich für unsere unangenehmen Gefühle, die uns belasten. Doch genau diese Erfahrungen sind es, die uns auf unsere eigenen ungeheilten Anteile aufmerksam machen und somit Heilung ermöglichen können.

Abschied vom Opferdasein
Die Methode der „Radikalen Vergebung“ ermöglicht eine Abkehr vom allzu vertrauten Opfergefühl. Sie ist eine ungewöhnliche Synthese aus spiritueller und psychologischer Arbeit und wurde von Colin C. Tipping, einem englischen Therapeuten und Autor entwickelt. Aus der Arbeit mit sehr kranken Menschen zeigte sich für ihn, dass diese ihre Gefühle im Leben stark unterdrückt hatten und sich vor allem selbst verurteilten. Er fand heraus, dass Verbitterung und ein Mangel an Vergebung zwei der zentralen Gründe für die Entstehung von Krankheiten sein können.
Die „Radikale (also an die Wurzel gehende) Vergebung“ geht davon aus, dass alles, was uns im Leben widerfährt, einen Sinn hat.
Die Annahme, dass das was in unserem Leben geschieht, dem Wachstum unserer Seele zu dienen vermag, kann für uns  – vor allem bei schwerwiegenden und schmerzhaften Erfahrungen – eine große Herausforderung sein.  Doch diejenigen, die bereit sind diesen Gedanken zuzulassen, erleben mit der Tipping-Methode eine nachhaltige, spürbare Befreiung.
Wer die Bereitschaft aufbringt, auch in schmerzhaften Erfahrungen eine Chance zu Wachstum und Heilung zu sehen, erfährt eine grundlegende Veränderung: den Abschied vom Opferdasein! So unbequem es auch sein mag zu sehen, dass unsere Probleme in uns selbst liegen und nicht im Außen zu suchen sind, sondern nur von dort ausgelöst werden, so wirksam und unterstützend ist die Arbeit mit der Tipping-Methode.
Wenn wir bereit sind, die volle Selbstverantwortung zu übernehmen, d.h. anzuerkennen, dass wir genau die Erfahrungen in das Leben ziehen, die wir brauchen, damit die ungeheilten Anteile bewusst werden und zur Heilung kommen können, ist ein entscheidender Schritt getan. Dann hören Schuldzuweisungen auf. Wir erkennen, dass wir einander dienen in der Notwendigkeit Erfahrungen zu machen. So gesehen geschieht alles vollkommen so, wie wir es von einer höheren Ebene aus betrachtet für unser spirituelles Wachstum wollten.
Wir sind also herausgefordert, unsere Wahrnehmung von der Welt und die Deutung unserer Erlebnisse radikal zu ändern, wodurch wir unsere Opferrolle aufgeben können.

Auf die Bereitschaft kommt es an
Damit die Prozesse der Radikalen Vergebung gelingen können, ist es aber nicht einmal notwendig, an diesen radikalen Ansatz zu glauben. Der kleinste Funken Bereitschaft, den Prozess zu durchlaufen, genügt, um dessen Wirksamkeit unmittelbar zu erfahren und zu fühlen.


Stadien der Radikalen Vergebung
Klar strukturierte und hoch wirksame Prozesse bewirken, dass die in unseren alten und gegenwärtigen „Geschichten“ gebundene Energie transformiert wird. Wir erzählen – zunächst aus der Opferrolle – unsere Geschichte, so wie sie unserer gegenwärtigen Wahrheit entspricht. Dabei beginnen wir einen Teil des Schmerzes zu fühlen, dessen Unterdrückung  die Energieblockade verursachte.
Unterstützt von unserem Atem und liebevoller, tiefer innerer Wahrnehmung finden wir wieder Zugang zu unseren unterdrückten Schmerzen, die oft in Angst, Wut, Widerstand, Urteilen u.v.m. gebunden sind.
Es ist nicht der Schmerz, der unser Leid erzeugt, sondern unsere Abwehr, den Schmerz zu fühlen.
Lassen wir diese los, fühlen wir also noch einmal bewusst den ganzen Schmerz, beginnt die Heilung. Außerdem wird die „alte Geschichte“ auseinandergenommen, Tatsachen werden von Interpretationen getrennt. Die irrtümlich entstandenen Überzeugungen, auf denen wir unser Leben aufgebaut haben, lösen sich auf. Die alte „Geschichte“ fällt in sich zusammen. Fühlend erkennen wir, dass unser Lebenszustand das Ergebnis unserer Überzeugungen und Projektionen ist. Jetzt wird der Perspektivenwechsel möglich und die Bereitschaft zu sehen, dass das Erlebte genau das war, was wir erfahren mussten, weil wir es – von einer höheren Sicht aus – erfahren wollten, um noch unbewusste Muster zu erkennen und zu heilen. Opferverträge lösen sich auf. Dankbarkeit, Mitgefühl und Liebe kommen wieder ins Fließen. Zuletzt integrieren wir diesen Wandel durch Körper- und Atemarbeit auf der Zellebene. So werden wir frei, mehr und mehr unser wahres Potenzial zu leben.
„Vergebung ist keine einmalige Sache, Vergebung ist ein Lebensstil“, sagte Martin Luther King.

Literaturangabe
Colin C. Tipping: Ich vergebe. Der radikale Abschied vom Opferdasein. Kamphausen Verlag


Die Autorintl_files/2011Q3/Artikelbilder/staats.png
 Vera Staats
Lizenzierter Coach
der Tipping-Methode

Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Gruppen.
Vorträge, Seminare, Coaching.
Systemische Therapie, Innenweltreisen,
Familienstellen und Encounter.
Tel. 0761/473539
www.vera-staats.de




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