Tanzimprovisation - raus aus dem Alltag
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von Valerie Bandell
„Ich bin nicht daran interessiert, wie sich Menschen
bewegen, sondern daran was sie bewegt.“
- Pina Bausch -
Tanzen kann jede/r und mit dem Tanz zu improvisieren beginnt schon bei der ersten Bewegung ganz von selbst: Zuerst lasse ich mich von der Musik bewegen und auf jede Musik bewege ich mich anders- schnell, langsam, kraftvoll, fließend, stockend usw. Meine Bewegungen sind tages- und stimmungsabhängig: hatte ich Erfolgserlebnisse bei der Arbeit oder einen anstrengenden Tag? Bin ich verliebt oder traurig ? Vielleicht spüre ich anfangs gar nichts, bin in Gedanken und habe nur wenig Kontakt zu meinem Körper oder möchte erstmal Dampf ablassen ? Und schon ist der erste Schritt in die Improvisation getan, indem ich meinen momentanen Impulsen im Tanz nachgehe und dem Ausdruck gebe, was mich im Moment bewegt. Ich kann mich ganz ruhig auf der Stelle stehend hin und her wiegen und auch den Kopf und das Gesicht mitbewegen oder durch den ganzen Raum tanzen und die Arme dabei weit ausstrecken. Manchmal findet mein Tanz auf dem Boden statt oder ich suche Kontakt, indem ich z. B. die Bewegungen einer anderen Tänzerin mittanze.
„Ich tat das, was ich Anspannung und Entspannung nannte. Ich bezog den Boden mit ein. Ich nutzte die Flexibilität der Füße. Ich gab Anstrengung zu erkennen. Meine Füße waren nackt.“
- Martha Graham -
Das Training
Die Tanzimprovisation kann mit einer Entspannungsphase beginnen, so wird der Körper wieder frisch und wach für seine musischen Fähigkeiten. Im folgenden Warm-up wird der Körper gedehnt und aufgewärmt, gleichzeitig ist es das Ziel, die Körperwahrnehmung zu wecken. Durch die bewusste Wahrnehmung z.B. der Wirbelsäule und der einzelnen Körperteile werden unsere Bewegungen kraftvoll und präsent.Das Training der Körpermitte ist ein wichtiges Element. Martha Graham, eine Leitfigur des Modern Dance, lokalisierte in den Zwanziger Jahren den Beginn der Bewegungen in den Beckenbereich, welcher bis dahin im Ballett fast unbewegt blieb. Damit konnten energievolle, fließende Bewegungen entstehen, die weniger künstlich wirken und den natürlichen Bewegungsabläufen der Menschen entsprechen. Wenn die Körpermitte in den Tanz miteinbezogen wird, gibt sie den Bewegungen Stabilität, sodass wir mit dem Rest des Körpers frei tanzen können. Im Berufsalltag wird durch das viele Sitzen das Becken kaum bewegt. Durch den bewussten Einsatz im Tanz kann ich die Kraft und Energie durch das „Powerhouse“ wieder zurückgewinnen.
Wechselspiel zwischen Erleben und Form
In der Tanzimprovisation gibt es auch Anregungen, sich an eine vorgegebene Form zu halten, die jedoch noch Spielraum für die eigenen Empfindungen lässt. Diese sind freiwillig und als Impulse zu verstehen. Die Erfahrungen im Theater und Tanztheater zeigen: die Improvisation wird meistens dann sehr spannend und klar , wenn der Rahmen für die Spieler und Tänzer eng gezogen ist. Wird jedoch von einem Regisseur oder einer Choreographin alles vorgegeben, kann es wieder langweilig und unauthentisch werden. Mit dieser Gratwanderung zwischen Erleben und Form wurde schon viel experimentiert. Der Wunsch nach einer Improvisationstechnik kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal möchte man sich völlig frei ausdrücken und einfach tanzen können, ein anderes Mal legt die Aufgabenstellung noch Unentdecktes frei oder hilft dabei ein klares Bild bekannter Empfindungen zu zeigen. Es kann wie ein Kleidungsstück sein, welches man noch nie anprobiert hat und feststellt: „Das zeigt eine ganz neue Facette von mir“ oder „das passt im Moment gar nicht“ oder „das habe ich schon lange gesucht“. Meiner Meinung nach ist es wichtig auf beide Qualitäten, freies Tanzen und Tanzstruktur, zu achten und eine Balance zu finden. Aus diesem Material können kurze, selbst erarbeitete Choreografien entstehen, die wir entweder miteinander tanzen oder uns gegenseitig zeigen. Der Austausch über das Erlebte gehört auf jeden Fall dazu.
AfterWorkDance
„Wo die Sprache aufhört beginnt der Tanz , der unseren unruhigen Geist zum Schweigen bringt.“
- Anjali Sriram -
Die Tanzimprovisation eignet sich besonders gut, einen Ausgleich zum Arbeitsalltag zu schaffen. In manchen Berufen müssen wir „unseren Mann“ stehen und die weibliche Seite kommt zu kurz. Schon beim Hören der Musik und im Tanz und kann der Kontakt zu unserer Muse, Kreativität und Sinnlichkeit wieder zurückgewonnen werden. In anderen z.B. helfenden Berufen besteht die Gefahr, die kraftvolle Seite mit Wut, Durchsetzungsvermögen und Eigenwille zu unterdrücken. In der Improvisation können die Tänzer/innen ihr Eigenes wahrnehmen und ausdrücken.
Über die Bewegung geht die Aufmerksamkeit vom Kopf in den gesamten Körper - er wird wieder frisch und lebendig. Der Körper hat ein eigenes Gedächtnis, indem alles, was der Tanz zu bieten hat, gespeichert zu sein scheint. In der Tanzimprovisation können wir unsere Ressourcen, wie z.B. Genuss, Kraft
und Sinnlichkeit erleben und laden uns mit neuer Energie auf. Dies wirkt bis in meinen
Alltag hinein und ich bleibe in einem spürbaren Kontakt mit mir, der es mir erleichtert, meine Aufgaben in Verbundenheit mit meinem Selbst zu erledigen.
Valerie Bandell
Tanz- und Bewegungstherapie Basics
Studium im Fach Körpertheater, Tanz und
Improvisation, Fortbildung in Life Art Pro-
cess nach Anna Halprin
Angebot: Kurse in Tanzimprovisation und
Yoga meets Dance, FR, Glashaus Rieselfeld
www.mytanz-im-puls.de







