Aikido - Kampfkunst als Lebensweg
von Achim Moll
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Aikido ist eine moderne Kampfkunst, welche auf eine lange Tradition der japanischen Kampfkünste zurückgeht, die als Budo oder Wege der Krieger bezeichnet werden. Aber auch in Zeiten, als die Kampfkünste noch als Mittel zur Kriegsführung eingesetzt wurden, war der Krieg nicht der Hauptzweck des Budos. Die Japaner sahen die Kampfkünste nicht nur als eine Sammlung wirksamer Verteidigungs-techniken, sondern als einen Lebensweg an.
Der Begründer des Aikido, Morihei Ueshiba, sagte über seine Kunst: „Aiki ist keine Technik um zu kämpfen oder einen Feind zu besiegen, sondern ein Weg, die Welt wieder zusammenzuführen und die Menschheit zu einer Familie zu machen.“ Obwohl er Wert darauf legte, dass seine Kunst ein variables Kampfsystem ist, war ihm der philosophische Aspekt des Aikido wichtiger. Wie aber können Techniken, die dazu erfunden wurden, einen Gegner so schnell wie möglich zu töten, als Lebensweg gesehen werden?
Der Name Aikido setzt sich zusammen aus „Do“ (für „Weg“), „Ai“ (für „Harmonie“) und „Ki“ (für „Lebensenergie“). Aikido bezeichnet also den Weg, die Lebensenergie in Harmonie, in Einklang zu bringen. Die Basis der Aikidophilosophie ist die Erkenntnis, dass wir eins mit dem Universum sind und Aikido wurde von seinem Begründer als Mittel gesehen, diese Erkenntnis umzusetzen. Wenn wir verstehen, dass der Makro- und der Mikrokosmos sich gegenseitig reflektieren, können wir unseren Gegner als Bruder erkennen und Gewaltlosigkeit erreichen. Im Aikido erwidern wir den Angriff nicht, sondern lenken ihn so, dass Angreifer und Verteidiger in eine gemeinsame Bewegung mit einem gemeinsamen Zentrum kommen. Somit erlebe ich mein Gegenüber nicht mehr als getrennt von mir, sondern er wird zu einem Teil von mir selbst.
Ein anderes wichtiges Prinzip des Aikido ist, dass der Intellekt als Sitz des Egos nur zu einem begrenzten Verständnis im Stande ist und dass wahres Verstehen über das Herz geht. Der erste westliche Schüler von Ueshiba, der Franzose André Nocquet, schreibt dazu: “Das, was mich am meisten an den Lehren von Meister Morihei Ueshiba faszinierte ist, dass er mich davon überzeugen wollte, dass alle menschlichen Schwierigkeiten aus dem Konflikt zwischen dem Herzen und dem Ego entstehen…Aikido ist eine Frage des Herzens.“
Aus dieser Haltung entspringt die Idee eines Lebens in wachsender Achtsamkeit für unsere Umgebung und einer wachsenden Achtsamkeit für die Einheit mit dem Universum und der Menschheit. Es ist ein Weg, um in Kontakt mit unseren Gefühlen und aus dem Herzen heraus zu handeln.
Das vielleicht wichtigste Konzept des Aikido ist Masakatsu agatsu und bedeutet „Der Sieg über sich selbst“. Im Aikido finden wir alle Probleme des Alltags wieder und können uns darin üben, sie gut zu meistern und an ihnen zu wachsen. In der Auseinandersetzung mit einem „Angriff“ im Training lerne ich mit Gewalt und Aggressionen umzugehen und dabei innere Ruhe zu bewahren und mit Entschlossenheit zu handeln, anstatt in Panik oder Unruhe zu verfallen. Aikido führt uns immer wieder an unsere Grenzen und konfrontiert uns mit unseren Unzulänglichkeiten und Frustrationen. Zum einen auf der körperlichen Ebene durch hartes Training, zum anderen psychisch, indem ich mich neuen Herausforderungen stellen muss und dabei Schritt für Schritt meine Grenzen erweitere und Ängste überwinde. Ich lerne, auf der körperlichen Ebene aus meiner Mitte heraus zu agieren und kann dadurch auch im Alltag leichter aus meiner Mitte heraus handeln.
Es wird oft behauptet, Aikido sei eine Art Meditation in Bewegung. Ziel der Meditation ist es, den Fluss der Gedanken zu stoppen, um zum Wesentlichen zu gelangen. Im Aikido muss ich absolut fokussiert sein und kann den Gedanken nicht erlauben herumzuspringen. Das Training erzwingt ein hohes Maß an Konzentration, stoppt so den Gedankenfluss und bringt uns zu Fudoshin, dem „unerschütterlichen Geist“ - einem Zustand größter Gelassenheit.
Die japanischen Ausdrücke und ihre hohe Philosophie kommen sehr theoretisch daher, aber eigentlich erschließt sich die Schönheit und Wirksamkeit des Aikido von allein, einfach durch seine Ausübung. Die Partner üben wechselseitig und somit gibt es auch keinen Gewinner oder Verlierer, die Situation wird immer aus beiden Perspektiven wahrgenommen.
Die Techniken sind so angelegt, dass sie einerseits effektive Mittel zur Selbstverteidigung sind und zum anderen den Angreifer nicht unnötig verletzen. Die Energie des Angriffs wird sanft akzeptiert, integriert und dann zum Angreifer zurückgeleitet. Dabei wird nicht so sehr die eigene Kraft dem Angriff entgegen gesetzt, sondern wir nutzen die Kraft des Angreifers aus. Diese physischen Prinzipien verkörpern die Philosophie des Aikido.
Aikido ist also weit mehr als nur eine sportliche Aktivität. Es gibt dir präzise Werkzeuge an die Hand, mit denen du an dir selbst arbeiten kannst. Es gibt keine Wettbewerbe und keine Medaillen zu gewinnen. Es gilt nur, den Wettbewerb mit sich selber anzutreten. Das muss aber keineswegs eine todernste Sache sein. Meister Ueshiba hat seinen Schülern einige Trainingsregeln mit auf den Weg gegeben und eine davon lautet: „Übe stets auf eine lebendige und freudige Art“.
Der Autor:
Achim Moll
1. Vorsitzender des
Aikido Vereins Freiburg e.V.
Der Aikidoverein Freiburg existiert seit 1993 und
ist einer von mehreren Vereinen in der Region, die
sich auf das Aikido von André Nocquet beziehen.
Training für Anfänger und Fortgeschrittene in der
Ensisheimerstr. 20 in Freiburg.
07665/967 90 73, achim@aikido-freiburg.de
www.danbw.de
www.aikido-freiburg.de







