Tamalpa Life Art Process - Im kreativen Fluss
von Katrin Stelter
„Dieser Prozess fordert uns heraus, das Leben in seiner ganzen Fülle zu geniessen.“
Für Anna Halprin, Mitbegründerin des Tamalpa Life Art Process, kann jede Bewegung und alles Leben Tanz sein: „Breath made visible“ ist ihre Definition und so lautet auch der Titel ihres bewegenden Filmportraits. In allen Phasen ihres Leben folgte sie der Vision, Leben und Kunst im Tanz wieder zu verbinden, eine in früheren Kulturen mit rituellen Tänzen und Gesängen gelebte Realität.
Bereits in ihrer künstlerischen Arbeit stellte sie fest, dass zwischen blockierten Lebensprozessen und blockierten künstlerischen Prozessen ein starker Zusammenhang besteht. Über eine eigene Krebserkrankung entdeckte sie, dass unser Körper ein Wissen hat, das sich über die Kunst mitteilen kann. Ein graues Gebilde in einem gemalten Selbstportrait war Auslöser für den Arztbesuch, der den Krebsbefund ergab.
In der Auseinandersetzung mit ihrer Erkrankung erlebte sie, dass ihr Körper über den kreativen Ausdruck Selbstheilungskräfte aktivieren konnte. Dies veränderte ihre Lebenseinstellung grundlegend: „Before I used life for my art, now I use art for my life.“ (Früher lebte ich für die Kunst. Jetzt nutze ich die Kunst für mein Leben.)
Mit ihrer Tochter Daria, die bei dem bekannten Gestalttherapie-Begründer Fritz Perls gelernt hat, entwickelte sie die Arbeitsweise weiter zum „Tamalpa Life Art Process“ (TLAP). In fliessenden Übergängen fügen Tanzen, Malen und kreatives Schreiben sich zu einem Ganzen zusammen, das Transformation und persönliches Wachstum ermöglicht.
Die Weisheit der Bilder
Das Malen erweitert den Erfahrungsraum des Tanzes, der die Flüchtigkeit der Bewegung mit Farben und Symbolen einfängt. Es wird ein Raum erschlossen, der mit Sprache nicht erreicht werden kann, denn es ist nicht immer möglich zu benennen, was wir empfinden, wo diese Gefühle herkommen oder wie sie in unser Leben integriert werden können. Die Bilder, die vor dem inneren Auge als Antwort auf Bewegung entstehen, werden gemalt. Die im Tanz erlebten Erfahrungen werden also nicht verbal analysiert und interpretiert, sondern das Wissen des Körpers findet seine eigene Sprache in dem Ausdruck des gemalten Bildes. Der Körper ist es auch, der in umgekehrter Richtung die Botschaften des Bildes im Tanz erfährt.
Bilder tanzen
Wie und wo im Körper werde ich von den Farben bewegt, wohin im Raum führt mich die geschwungene Linie? Die verborgenen Botschaften des Bildes können mit allen Sinnen jenseits von Worten entschlüsselt werden.
Kreatives Schreiben (Gedicht, Dialog, Geschichte) konkretisiert die Bedeutung der Erfahrung. Obschon auch hier die Botschaft noch in erstaunlichen Sätzen oder überraschenden Geschichten versteckt sein kann, erleichtert der Text oder Satz die bewusste Reflexion des kreativen Prozesses und damit die Integration der Erfahrung. Neue Handlungsmöglichkeiten können erkannt werden für einen kreativen Umgang mit den Herausforderungen des täglichen Lebens.
Die Körperarbeit „Bewegungsritual“ unterstützt dabei auf der körperlichen Ebene, alte Bewegungsmuster zu erkennen und zu verändern. Im „Tanzen in der Natur“ können die eigenen Lebensthemen in einem größeren, universellen Zusammenhang erlebt werden.
Der TLAP kann für Gruppen- und Einzelarbeit genutzt werden. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit, Kunst und Kommunikation, der in der Expressive Arts Therapy international anerkannt ist.
Ausbildung
Lange gab es die Ausbildung im TLAP nur in den USA; jetzt bietet Tamalpa Germany in Kooperation mit Tamalpa Institute USA diese erstmalig im deutschsprachigen Raum an.
Im Mittelpunkt der Ausbildung steht das Erforschen der eigenen Körpergeschichte – jedes Wochenende liegt der Fokus auf einem anderen Körperteil und den Lebensthemen, die damit assoziiert werden. Diese Arbeit basiert auf der Annahme, dass Lebensereignisse Eindrücke hinterlassen, die im Körper gespeichert werden. Bleiben sie unbewusst, kann dies zu Unausgeglichenheit und Konflikten führen. Wenn sie erforscht, bewusst und kreativ ausgedrückt werden, kann die Verbindung zwischen Körper, Geist und Gefühlen einen lebendigen Beitrag zur persönlichen Entwicklung leisten. Am Ende dieser Forschungsreise malen die Teilnehmer ein neues Selbstbild und damit auch die Vision, die ihren Lebensweg in Zukunft bestimmen soll. Die Tamalpa-Ausbildung (www.tamalpa-germany.de) richtet sich an Praktizierende im Gesundheitswesen, ErzieherInnen, KünstlerInnen und diejenigen Personen, die neue Wege durch Kunst und Bewegung in ihrem eigenen Leben suchen und entdecken wollen.
Die Autorin:
Katrin Stelter
Tänzerin, Bewegungs- & Ausdruckstherapeutin
Logopädin und Lehrlogopädin
I. Vorsitzende Tamalpa Deutschland e.V.
Co-Leitung Tamalpa Germany Ausbildung
0761 - 707 45 01
info@katrinstelter.de
www.katrinstelter.de




